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 Mittwoch, 8. September 2010
Atomkraftwerk Krümmel: Termin des Wiederanfahrens weiter offen

Fast jede erdenkliche Frage zum Atomkraftwerk Krümmel kann Joachim Kedziora beantworten. Doch in einem Punkt muss sogar der Kraftwerksmeister passen: Auch er kann nicht sagen, wann der seit anderthalb Jahren stillstehende Reaktor im schleswig-holsteinischen Geesthacht wieder angefahren wird.

2009 soll es laut Betreiber Vattenfall schon werden, doch mit näheren Angaben hält sich jeder zurück. Alles hängt von aufwendigen Schweißarbeiten an Armaturen ab, die
in dieser Form noch nicht durchgeführt wurden.

Heruntergefahren wurde Krümmel am 28. Juni 2007, als nach einem Kurzschluss ein Transformator ausbrannte. Es folgten zahlreiche weitere Pannen. Die Schäden des Brandes sind längst behoben. Die Zeit des Stillstands wurde auch schon genutzt, um die jährlich geforderte Revision durchzuführen, bei der unter anderem die Brennelemente gewechselt wurden. «Der Reaktor ist im Grunde betriebsfertig», sagt Kraftwerksmeister Kedziora und zeigt von einer Balustrade im Inneren des Reaktorgebäudes auf das geöffnete Herzstück der Anlage.

Wären da nicht die Probleme mit den Armaturen. Insgesamt gibt es laut Kedziora in einem Kernkraftwerk zwischen 24.000 und 27.000 derartiger technischer Absperr-Vorrichtungen wie Ventile, Schieber oder Klappen - manche von ihnen fast kindsgroß. 39 davon sind in Krümmel nicht in Ordnung und werden nun ausgebessert.

Chlorid-Ablagerungen gefunden

Im Rahmen einer routinemäßigen Inspektion wurde entdeckt, dass sich an den Innenwänden mehrerer Armaturen aus nicht rostendem Stahl Chlorid abgelagert hatte. «Das sind sogenannte Korrisionsmulden, die eigentlich weggeschleift werden könnten», erklärt Kedziora. Diesmal aber nicht, weil sie tiefer seien. Das habe zwar keine sicherheitstechnischen Auswirkungen gehabt, aber: «Die Armaturen sind für den Gesamtkreislauf wichtig. Die müssen in Ordnung sein.
Vattenfall versuchte zunächst neue Teile zu kaufen. Erfolglos. «Es gibt keine neuen Armaturen auf dem Weltmarkt. Die Kapazitäten der Kraftwerkshersteller sind über Jahre ausgebucht», erklärt Kedziora und fügt hinzu: «Das Material gibt´s nicht bei Obi. Also entwickelte das Kraftwerkteam zusammen mit dem TÜV und der Aufsichtsbehörde ein Verfahren, mit dem die Schäden repariert werden können. Auch das kostete Zeit. «Wir mussten das Verfahren und die Menschen, die daran arbeiten, erst zertifizieren», erklärt Kedziora.
Die Zertifizierung des Arbeitsvorgangs dauerte mehrere Monate, die eines jeden Schweißers zirka sechs Wochen. «Allein die Vorbereitung für die erste Armatur hat 39 Aktenordner gefüllt.

Ein High-Tech-Verfahren

So konnte erst Anfang November 2008 mit den eigentlichen Arbeiten im Kraftwerk begonnen worden. 50 bis 60 Menschen arbeiten nun in zwei Schichten und mit sieben Schweißautomaten an dem Problem. Dafür hat sich Vattenfall Experten aus der ganzen Welt geholt. Einer von ihnen ist Robert Thiele. Der Automatenschweißer sitzt in dem für die Kraftwerksmitarbeiter typischen weißen Schutzanzug vor einem Laptop. In der Hand hält er eine Konsole, über die er einen Schweißroboter steuert. «An der Spitze ist eine kleine Kamera angebracht, so dass ich sehe, was passiert», erklärt Thiele.
Außerdem kontrolliert er verschiedene Parameter, wie die Temperatur. Gerade arbeitet er an einem Ventil neben der Reaktorwand. Die schadhafte Stelle muss zunächst herausgefräst werden, dann wird das Loch mit neuem Material ausgefüllt und die Kontur wieder hergestellt. Schicht für Schicht wird geschweißt, Millimeter um Millimeter. Dabei darf die Temperatur nicht über 60 Grad Celsius steigen. «Das ist ein High-Tech-Verfahren», betont Kedziora.

Anschließend ist Brunsbüttel dran

Wie lange die Arbeit noch dauert, ist nicht abzusehen. «Unsere Skepsis beruht auf der Tatsache, dass wir nicht wissen, wie das Material reagieren wird», erklärt der Kraftwerksmeister. Bis Mitte Dezember war noch keine einzige Armatur fertig. Nach Krümmel kommt das ebenfalls von Vattenfall betriebene AKW Brunsbüttel an die Reihe, das wegen eines Kurzschlusses in einer Schaltanlage auch im Juni 2007 vom Netz genommen wurde.
Derzeit werden dort noch fehlerhafte Dübel der Haltekonstruktionen für Rohrleitungen erneuert. Aber auch dort müssen Armaturen ausgebessert werden. Die Betreiber hoffen, dann von den Erkenntnissen aus Krümmel profitieren zu können. Auch für Brunsbüttel gibt es noch keine Prognose fürs Wiederanfahren. «Sicherheit hat oberste Priorität», betont Unternehmenssprecherin Barbara Meyer-Bukow im Hinblick auf beide Meiler. Dass der lange Ausfall das Unternehmen schmerzt, kann sie nicht leugnen. Das Stillstehen beider Anlagen kostet Vattenfall nach eigenen Angaben jeden Tag rund eine Million Euro. Damit lagen die Verluste bis Ende 2008 bereits bei schätzungsweise knapp 550 Millionen Euro.

Quelle: www.pr-inside.com, 02.01.2009

 
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